Schreiben Europas Hitzewellen die Anforderungen an die Gebäudeperformance neu?
Warum Gebäudeeigentümer die Leistungsfähigkeit ihrer HLK-Systeme neu bewerten müssen, um Effizienz, Resilienz und Komfort in einem wärmer werdenden Klima sicherzustellen
Seit Beginn des Sommers hat Europa bereits drei grosse Hitzewellen erlebt, bei denen die Temperaturen in mehreren Ländern die Marke von 40 °C überschritten haben.¹ Laut dem Copernicus Climate Change Service zeigt die schnelle Abfolge der Hitzewellen seit Mai deutlich: Extreme Hitze ist kein Ausnahmeereignis mehr, sondern entwickelt sich zunehmend zu einem festen Bestandteil der europäischen Sommer.²
Für die HLK-Branche (Heizung, Lüftung und Klimatechnik) bedeutet dies weit mehr als eine Veränderung der Wetterbedingungen. Es markiert einen grundlegenden Wandel in der Art und Weise, wie Gebäude geplant, betrieben und modernisiert werden müssen. Der Umgang mit extremer Hitze ist keine zukünftige Herausforderung mehr, sondern bereits heute eine zentrale Anforderung für Gebäudeeigentümer, Fachplaner, Ingenieure und Berater – sowohl im Wohnungsbau als auch im Gewerbebereich, von Einfamilienhäusern über Krankenhäuser bis hin zu Bürogebäuden.
Mit steigenden Temperaturen wird es zunehmend anspruchsvoller, Komfort für die Nutzer, Energieeffizienz und einen zuverlässigen Gebäudebetrieb gleichzeitig sicherzustellen. HLK-Systeme müssen heute auch während lang anhaltender Hitzeperioden zuverlässig funktionieren und sich gleichzeitig an veränderte Gebäudenutzungen, strengere Nachhaltigkeitsziele sowie den steigenden Druck zur Senkung von Energieverbrauch und CO₂-Emissionen anpassen.
Dennoch ist der europäische Gebäudebestand auf diese Entwicklung nur unzureichend vorbereitet. Nach Angaben des World Resources Institute verfügen lediglich rund 20 % der europäischen Gebäude über Kühlsysteme.³ Da Hitzewellen länger, häufiger und intensiver werden, zählt die Modernisierung bestehender Gebäude mit energieeffizienten und resilienten HLK-Lösungen zu den dringendsten Herausforderungen der Branche.
Obwohl extreme Hitze alle Gebäudetypen betrifft, unterscheiden sich die betrieblichen Auswirkungen im Wohn- und Nichtwohngebäudebereich erheblich. Beide Segmente stehen vor unterschiedlichen Anforderungen hinsichtlich Leistung, Investitionen und Betrieb, wodurch standardisierte HLK-Konzepte zunehmend an ihre Grenzen stossen.
Wohngebäude: Ganzjähriger Komfort neu definiert
Über Jahrzehnte hinweg wurden die meisten Wohngebäude in Europa mit einem klaren Ziel geplant: den Bewohnern im Winter ausreichend Wärme zu bieten. Heute verändern sich diese Anforderungen grundlegend.
Hausbesitzer erwarten zunehmend, dass ihre Gebäude das ganze Jahr über ein angenehmes Raumklima bieten und gleichzeitig Energieverbrauch sowie Betriebskosten niedrig halten. Mit längeren und heisseren Sommern steigt die Nachfrage nach energieeffizienten Kühllösungen ebenso wie der Bedarf an einer zuverlässigen Heizleistung.
Die Verbesserung des thermischen Komforts ist jedoch nicht immer einfach. Umfangreiche Massnahmen an der Gebäudehülle, etwa der Austausch von Fenstern oder eine bessere Dämmung, können die Energieeffizienz zwar deutlich steigern, erfordern jedoch oft hohe Investitionen und sind insbesondere bei Bestandsgebäuden oder denkmalgeschützten Objekten nicht immer realisierbar.
Auch die Installation einer Klimaanlage ist nicht in jedem Fall praktikabel oder zulässig, da baurechtliche Vorgaben und lokale Vorschriften die verfügbaren Möglichkeiten häufig einschränken.
Deshalb suchen viele Hausbesitzer nach Lösungen, mit denen sich die Leistung ihrer bestehenden HLK-Anlage optimieren lässt. Reversible Wärmepumpen, die vorhandene hydronische Rohrleitungen und Wärmeübertrager weiter nutzen, bieten eine attraktive Möglichkeit, effiziente Kühlung zu integrieren und gleichzeitig eine zuverlässige Heizfunktion zu gewährleisten. In Kombination mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach lassen sich darüber hinaus Betriebskosten senken und die Gesamtenergieeffizienz des Gebäudes verbessern.
Die Integration einer Kühlfunktion in ein bestehendes hydronisches System verändert jedoch auch die Anforderungen an die Anlage. Niedrigere Betriebstemperaturen und saisonale Umschaltungen erhöhen die Bedeutung einer dauerhaft hohen Wasserqualität. Eine wirksame Luft- und Gasabscheidung ist daher entscheidend, um die Wasserqualität zu erhalten, Korrosion zu minimieren und die Effizienz des Systems langfristig sicherzustellen. So werden Zuverlässigkeit und Lebensdauer der gesamten Anlage nachhaltig verbessert.
Gewerbegebäude: Mehr aus bestehenden Anlagen herausholen
Gewerbegebäude verursachen rund 42 % des Endenergieverbrauchs in der Europäischen Union und bieten damit eines der größten Potenziale zur Verbesserung der Energieeffizienz und zur Reduzierung von Emissionen.⁴ Gleichzeitig stehen Eigentümer vor wachsenden Herausforderungen. Der steigende Kühlbedarf, alternde HLK-Anlagen, veränderte Nutzungsprofile und ambitionierte Dekarbonisierungsziele erhöhen den Druck auf bestehende Gebäude.
Wie schnell diese Herausforderung kritisch werden kann, haben jüngste Ereignisse gezeigt. Während der Hitzewelle im Juli 2026 in der Schweiz berichteten die Universitätsspitäler Genf (HUG) von Raumtemperaturen von bis zu 34 °C in Patientenzimmern.⁵ Das Krankenhaus kündigte daraufhin Sofortmassnahmen und Investitionen an, um die Kühlleistung seiner Gebäude langfristig zu verbessern.⁶
Für viele Organisationen ist ein vollständiger Austausch der HLK-Anlagen weder wirtschaftlich noch betrieblich realistisch. Daher rücken Sanierungsstrategien in den Fokus, die bestehende Systeme optimieren, ihre Lebensdauer verlängern sowie Komfort, Betriebssicherheit und Energieeffizienz verbessern.
Dass dieser Ansatz funktioniert, zeigt die Sanierung des Königlichen Berufungsgerichts in Göteborg. Anhaltende Leistungsprobleme der HLK-Anlage konnten gelöst werden, indem nicht einzelne Komponenten, sondern das gesamte hydronische System analysiert wurde. Durch die ganzheitliche Optimierung konnten das Raumklima stabilisiert, die Energieeffizienz verbessert und die Lebensdauer der bestehenden Anlage verlängert werden.
Unterschiedliche Gebäude. Eine gemeinsame Herausforderung. Von der Planung bis zur Umsetzung.
Auch wenn sich die Auswirkungen extremer Hitze je nach Gebäudetyp unterscheiden, bleibt die technische Herausforderung dieselbe: HLK-Systeme müssen auch unter zunehmend anspruchsvollen Betriebsbedingungen zuverlässig und energieeffizient arbeiten.
Mit steigenden Anforderungen reicht es nicht mehr aus, einzelne Komponenten zu betrachten. Entscheidend ist die Leistungsfähigkeit des gesamten hydronischen Systems. Hydraulischer Abgleich, Druckhaltung, Wasserqualität sowie intelligente Überwachung und Optimierung tragen gemeinsam zur Effizienz, Resilienz und Langlebigkeit der Gesamtanlage bei.
Bei IMI sind wir überzeugt, dass sich die Gebäudeperformance nur durch einen systemorientierten Ansatz nachhaltig verbessern lässt. Durch die Kombination aus Engineering-Kompetenz und enger Zusammenarbeit über den gesamten Gebäudelebenszyklus unterstützen wir Eigentümer, Fachplaner und Ingenieure dabei, hydronische Systeme zu optimieren, die Energieeffizienz zu steigern und die Lebensdauer bestehender HLK-Infrastrukturen zu verlängern.
„Das Klima verändert die Erwartungen unserer Kunden an ihre Gebäude. Die Leistungsfähigkeit wird heute nicht mehr durch einzelne HLK-Komponenten bestimmt, sondern dadurch, wie das Gesamtsystem unter immer anspruchsvolleren Bedingungen funktioniert. Mit unserer Engineering-Expertise und einem ganzheitlichen Systemansatz unterstützen wir unsere Kunden dabei, Effizienz zu steigern, Resilienz zu stärken und Gebäude auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten.“
Stefano D'Agostino, President, Climate Control, IMI
Mit dem Wandel des europäischen Klimas müssen sich auch Planung, Betrieb und Modernisierung von Gebäuden weiterentwickeln. Die Zukunft der HLK-Technik wird nicht allein durch Heizen oder Kühlen bestimmt, sondern durch hydronische Systeme, die Gebäude effizient, resilient und anpassungsfähig gegenüber einem zunehmend unvorhersehbaren Klima machen.
1 Reuters (2026). Europe braces for prolonged heatwave as temperatures approach 40C. 21. Juni 2026, aktualisiert am 22. Juni 2026. Verfügbar unter: Reuters (Zugriff: Juli 2026).
2 Copernicus Climate Change Service (C3S) (2026). Copernicus: Record heatwave brings hottest June for western Europe during second-warmest June globally. 9. Juli 2026. Verfügbar unter: Copernicus Climate Change Service (Zugriff: Juli 2026).
3 World Resources Institute (WRI) (2026). Europe’s Soaring Heat and the Great Air Conditioning Dilemma. Aktualisiert am 30. Juni 2026. Verfügbar unter: World Resources Institute (Zugriff: Juli 2026).
4 European Environment Agency (EEA) (2023). Decarbonising heating and cooling — a climate imperative. 23. Februar 2023. Verfügbar unter: European Environment Agency (Zugriff: Juli 2026).
5 Radio Télévision Suisse (RTS) (2026). Canicule aux HUG: les syndicats dénoncent des chambres à 34 degrés. 13. Juli 2026. Verfügbar unter: RTS (Zugriff: Juli 2026).
6 Hôpitaux universitaires de Genève (HUG) (2026). Fortes chaleurs : Les HUG renforcent leurs mesures pour protéger les patients, les patientes et le personnel. 10. Juli 2026. Verfügbar unter: HUG (Zugriff: Juli 2026).

